Blau ist die Sehnsucht.

 

 

Ursprung
Die Arbeit "Ortsbegehung 28.10.98 (12teilige Fotoserie mit Fehler)" entstand eines Abends als dokumentarische Darstellung meiner direkten Umgebung: Ein Mensch, der viel am Computer, somit virtuell, arbeitet, steht auf und sieht sich um. Die digitalen Fotos der vernachlässigt und fremd gefundenen Realität werden wiederum der Virtualität anheimgegeben, also im Computer verwurstet. Die Bilder können ihre digitalmentale Entstehung nicht leugnen, der Effekt wird verstärkt, die Serie schöngefärbt, ausgedruckt und einem Sinnbild für Natürlichkeit gegenübergestellt: ein nackter Mensch schwimmt im klaren [Meer]Wasser. Ein geklautes Symbol, es stammt aus dem Internet und hat nichts mit der dokumentierten Situation zu tun. Da ist der Fehler! - immerhin: Es steht für den Wunsch nach Veränderung.

 

Realität
"Blauer Salon" ist die Abstraktion einer Sehnsucht - zum einen eben durch das vorherrschende blaue Licht (durch die Kontrastfarbe Orange verstärkt), zum anderen ist es der Salon, bzw. die Bar selbst, der als menschliche Begegnungsstelle auf andere Menschen und auf Begegnungen projektierte Sehnsüchte und die damit verbundenen Hoffnungen symbolisiert. Letztendlich entspringt dieses Sehnen einem Harmoniebedürfnis, weshalb der "Blaue Salon" einfach einen gemütlichen, liebevoll eingerichteten und einigermaßen kommunikativen Treffpunkt darstellt, an dem wir uns dann alle schick besaufen und die Kunst vergessen können bzw. hoffen, den Partner für’s Leben oder sogar für die Nacht zu finden etc.

 

Instant Illusion
Der Kern der Ausstellung: Die Installation "Strandglück" versetzt den Ausstellungsbesucher des winterlichen Berlins an einen sommerlichen Strand. Dies geschieht zum einen durch illusionistische Mittel: die Raumtemperatur von 25°C, eine dicke Schicht feinsten Sand-"Strandes" und die Video-Projektion eines sich stetig wiederholenden Sonnenuntergangs am Meer. Zum anderen wird der Betrachter durch die Positionierung des Videoprojektors am Boden auf der anderen Seite des Raumes als Schatten auf die Szenerie des Sonnenuntergangs projektiert, womit dieser selbst zum temporären Bestandteil der Arbeit wird: er sieht sich selbst (die Silhouette im Gegenlicht...) in einem weiteren Sinnbild der Sehnsucht (...des Sonnenuntergangs) stehen und beginnt im günstigen Fall zu posieren und mit der Figur, die sein Schatten an die Wand wirft, zu spielen. Somit fügt er der vorhandenen seine eigene(n) Projektion(en) hinzu, d. h. er verändert das "Kunstwerk".

Der Strand entspringt in übrigens einem der frischespendenden Funktion beraubten Wasserhahn über dem Videoprojektor, was jedoch kein Problem ist, da die wiederum dem Sand entspringende Illusion des Meeres und des Sonnenunterganges nur schöne Erinnerungen oder die unbändige Lust, ins Wasser zu springen, wachruft, welche man dann leicht an der Bar des "Blauen Salon" bei einem guten Whisky oder Cocktail vergessen kann. Das war ein langer Satz, aber es ist die die Wahrheit.

Voyeurisme
Who shot Andy Warhol? Ich liebe David Bowie’s "Andy Warhol". Aber das tut hier natürlich nichts zur Sache. Der orangegelb-stichige "Blue Movie" ist im KUNSTFAKTOR diesmal wirklich in blau zu sehen. Nur: wo?

 

Frank Benno Junghanns, Dezember 1998